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Asse-Untersuchungsausschuss - Björn Försterling: "Zu viele Antworten auf falsche Fragen"

Veröffentlicht am Mittwoch, 20. Juli 2011 12:00 Uhr

In den vergangenen zwei Jahren haben die Akten des Asse-Untersuchungsausschusses manche Überraschung bereit gehalten. Im Herbst 2009 tauchte zwischen den Aktendeckeln sogar ein Tiramisu-Rezept auf. Eine Süßspeise abgelaufenen Datums ist wohl eines der wenigen Dinge, die trotz des Aktenfundes bisher nicht in der Asse vermutet wurden. Dennoch gab es immer wieder absurde Warnungen, die medial hochgeputscht wurden und die Menschen in der Region verunsicherten. Erinnert sei hierbei an die Diskussion um die Einlagerung von Americiumoxidpulver, welches aber – so stellte sich später heraus - für 1.500 US-Dollar pro Gramm nach England verkauft wurde, anstatt es in der Asse zu versenken. Anfang des Jahres gab es eine Diskussion um angeblich verschwundene Brennelementekugeln des Forschungszentrums Jülich, die laut NRW-Landesregierung nur in der Asse sein könnten. Später hieß es dann, die Kugeln seien doch immer noch in Jülich und vollständig. Einen unrühmlichen Höhepunkt nahmen die Spekulationen mit der Mutmaßung, in der Asse seien Leichen entsorgt worden. Ohne Rücksicht auf die Hinterbliebenen der im Kernkraftwerk Grundremmingen verunglückten Arbeiter wurde wild spekuliert. Auch dieses Gerücht wurde später durch Fakten widerlegt – gleichwohl hält es sich bis heute.

In diesem Monat soll das Sommerloch mit Forschungsabfällen der Nazis gefüllt werden. Neu ist diese angebliche Erkenntnis allerdings auch nicht. Sie beruht auf einer Aussage des ehemaligen stellvertretenden Betriebsleiters aus dem Jahr 1974 in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Man kann durchaus davon ausgehen, dass in der Asse Abfälle aus der Uranforschung in der Nazi-Zeit liegen, die vormals möglicherweise in den Landessammelstellen gelagert worden waren. Dennoch: Bringt uns diese Erkenntnis weiter?

Ich bin sicher: Wir werden erst vollständig wissen, was in der Asse tatsächlich eingelagert wurde, wenn wir die letzten Abfälle zurückgeholt haben. Deshalb sollten jetzt die wirklich relevanten Fragen schnell und umfassend beantwortet werden. Die Faktenerhebung durch das Anbohren der Einlagerungskammer 7 kann noch in diesem Jahr erfolgen. Aber schon beim zweiten Schritt, der Faktenerhebung in Kammer 12, zeichnen sich Probleme ab. Vor der Kammer 12 liegt weiterhin der vielfach diskutierte Laugensumpf. Die mit Cs-137 kontaminierte Lauge muss abgepumpt werden. Wohin damit? In Braunschweig wird derzeit erprobt, wie das Volumen zur Lagerung reduziert werden kann. Die umliegenden Anwohner der damit betrauten Firma wollen aber keinen Asse-Müll in ihrer Nachbarschaft. Und so müssen Interessen gegeneinander abgeglichen werden: Die Anwohner der Asse wollen die Rückholung, die Anwohner in der Nähe des Braunschweiger Gewerbegebiets wollen keine Verarbeitung der Lauge vor ihren Haustüren. Hier benötigen wird schnellstmöglich einen Interessensausgleich.

Zugleich stellt sich die Frage, ob an der Asse ein zweiter Schacht abgeteuft werden kann. Denn bei einer Rückholung wäre es nicht akzeptabel, dass die maroden Fässer im selben Förderkorb und –turm transportiert werden sollen, den auch die Beschäftigten der Schachtanlage nutzen. Darf aber der notwendige Schacht in einem FFH-Gebiet abgeteuft werden? Das ist der nach bisherigen Erkenntnissen geeignetste Standort, doch was sagen Naturschützer dazu? Und wenn es ohne die Gefährdung des Grubengebäudes keinen weiteren Schacht geben kann: Nehmen wir dann das mögliche Absaufen der Asse in Kauf oder gibt es noch andere Möglichkeiten? Und: Wenn es gelingt, den Schacht abzuteufen und sich die Abfälle als rückholbar herausstellen: Wo soll dann das Konditionierungs- und Zwischenlager hin?

Dies alles zeigt: Wichtige Fragen gibt es zuhauf und die Antworten darauf benötigen wir so schnell wie möglich. In diesen Tagen bekommen wir allerdings einmal mehr zu viele Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat.



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