30.03.2010

Bernschneider nach Asse-Besuch:
„Endlagerproblematik differenziert betrachten“

 
 

Die Endlagerung von atomaren Abfällen ist mit vielen Ängsten besetzt und der Skandal um das „Forschungs“-Bergwerk Asse, in dem in den 1960er und 1970er Jahre rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll eingelagert wurden, haben die Skepsis vieler Bürger gegenüber der Endlagerfrage verständlicherweise noch verstärkt. Niedersachsen ist mit der Asse bei Wolfenbüttel, Gorleben und dem Schacht Konrad bei Salzgitter in besonderem Maße von der Endlagerproblematik betroffen. Aus diesem Grund war es Florian Bernschneider ein wichtiges Anliegen, sich vor Ort ein Bild zu machen. Am Dienstag, den 30.03.2010 besuchte er zusammen mit dem örtlichen FDP-Landtagsabgeordneten Björn Försterling und dem FDP-Samtgemeinderatsherrn Jochen Hoffmann aus Schöppenstedt die Schachtanlage Asse II bei Remlingen im Landkreis Wolfenbüttel.

Seit 1988 kommt es in dem ehemaligen Salzbergwerk täglich zu Laugenzuflüssen von 12.000 Litern und die Stabilität des Grubengebäudes ist nicht mehr dauerhaft gegeben. Mittlerweile steht fest, dass man zu keinem Zeitpunkt Atommüll in die Asse hätte einlagern dürfen. Nachdem der ehemalige Betreiber wegen der zögerlichen Erarbeitung eines Langzeitsicherheitsnachweises, Problemen im Laugenmanagement und mangelnder Information der Öffentlichkeit in die Kritik geraten war, ist nunmehr das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für die Asse zuständig. Daher wurde die Gruppe vom Präsidenten des BfS, Wolfram König, begrüßt und unter Tage begleitet. König erläuterte die Probleme der Schachtanlage und zeigte Florian Bernschneider unter anderem die große Laugenzutrittsstelle.

Die Schwierigkeiten bei der anstehenden Schließung der Asse sind vielfältig. Jahrelanger Fusch der Betreiber haben die Asse zu einem absoluten Negativbeispiel für die Endlagerung von hoch sensiblen und gefährlichen atomaren Abfällen werden lassen. König machte im Gespräch deutlich, dass sich das BfS aus Gründen der Langzeitsicherheit für eine Rückholung der Abfälle entschieden habe. Die Rückholung müsse bis 2020 erfolgen, da die Stabilität des Grubengebäudes nach derzeitigem Kenntnisstand nur bis zu diesem Zeitpunkt gewährleistet werden könne. Doch noch ist nicht geklärt, ob eine Rückholung überhaupt möglich sein wird. Klar ist, sie stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Denn zuvor gilt es noch viele Fragen zu klären: das Planfeststellungsverfahren für ein Pufferlager, ein Zwischenlager und eine Konditionierungsanlage, das Genehmigungsverfahren zur Öffnung und Beprobung der Kammern und die Entwicklung einer Technik zum Bergen der Abfälle.

Wenn die Prüfung ergibt, dass eine Rückholung technisch möglich ist, sollte dieser Weg aus Sicherheitsgründen verfolgt werden, auch wenn eine Rückholung sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden ist. Aktuelle Schätzungen gehen von bis zu 3,7 Milliarden Euro aus. An diesen Kosten müssen sich die Energieversorger beteiligen, die in der Asse jahrelang kostengünstig ihren Atommüll entsorgt haben. Von den Versäumnissen und Problemen beim Betrieb der Schachtanlage Asse darf jedoch nicht die gesamte Endlagerdebatte überschattet werden. „Wenn ich eines bei meinem Asse-Besuch gelernt habe, dann, dass man die verschiedenen Atommülllager nicht gleichsetzen darf. Jeder mögliche Standort hat spezifische Bedingungen, die genauestens geprüft werden müssen“, so Florian Bernschneider. Deshalb hat sich die christlich-liberale Koalition auch dazu entschieden, das von Rot-Grün beschlossene Gorleben-Moratorium aufzuheben. Die Erkundung des Salzstockes in Gorleben als mögliches Endlager für hochradioaktive Abfälle wird ergebnisoffen durchgeführt werden. Sollte die Erkundung ergeben, dass Gorleben nicht als Standort geeignet ist, wird dort auch kein Endlager entstehen. Die Lösung der Endlagerfrage darf jedoch nicht weiter aufgeschoben werden. Die Erkundung in Gorleben muss unter größtmöglicher Transparenz und Offenheit gegenüber der Öffentlichkeit geschehen. Denn ohne die Beteiligung der Bürger kann nirgendwo ein Atomendlager entstehen. Die Information der Öffentlichkeit über weitere Verfahrensschritte ist auch bei der Schließung der Asse unabdingbar. "Die Öffentlichkeitsarbeit des BfS ist um ein vielfaches besser, als die des vorherigen Betreibers. Die Bevölkerung vor Ort darf dem Bundesamt für Strahlenschutz und der Asse-GmbH zwar nicht blind vertrauen und muss den Prozess weiterhin kritisch begleiten. Aber das Gefühl, das man als in der Region lebender Bürger hat, ist jetzt deutlich besser, als noch beim alten Betreiber", sagte Florian Bernschneider nach seinem Besuch der Schachtanlage Asse.

 

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