Asse II - Kritik an der Zusammenfassung der Informationsveranstaltung (23.11.07):

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
in verschiedenen Artikeln berichten Sie am 22. und 23. November von der Presseerklärung des BMU, BMBF und NMU zum Thema ASSE II sowie von der Informationsveranstaltung in Schöppenstedt. Ich habe die Informationsveranstaltung besucht.

Die Berichte in der Rubrik „Braunschweiger Land" sind durchweg sachlich und neutral, während der Artikel in der Rubrik „Wolfenbüttel" vom 23. November auf Seite 35 als Überschrift ein Zitat trägt, das keineswegs als Gesamtergebnis der Veranstaltung gelten kann und deshalb nur als irreführend bezeichnet werden kann. („Es kann keinen Grund geben, den Atommüll nicht wieder zurückzuholen.") Die Rückholung des Atommülls ist EINE Option, die nach der aktuellen Vereinbarung der drei Ministerien erneut geprüft werden soll, wie die Braunschweiger Zeitung selbst berichtet. Die bisher vorhandenen Gutachten raten davon ab, weil erneute und weitergehende Grabungen in dem nur noch begrenzt standfesten und von Wassereinbruch bedrohten Bergwerk mit hohen Risiken für die Bevölkerung, für die in der Asse Beschäftigten und für die Umwelt verbunden wäre. Wenn die Rückholung gelingen würde, müsste der im Volumen vervielfachte Atommüll bis zur Klärung der Endlagerung über Tage zwischengelagert werden, entweder in der Nähe des Asse-Schachtes oder nach einem aufwändigen Transport in einer anderen Gegend Deutschlands. Die damit verbundenen Risiken kann kein Laie „mal eben so“ beurteilen.
Der Kommentar von Herrn Hueske auf der gleichen Seite enthält einen entsprechenden logischen Fehler. Es ist unstrittig, dass die Schachtanlage Asse II nach heutigem Wissensstand nicht als Endlager für Atommüll geeignet ist. Daraus folgt aber nicht automatisch und kann auch nicht als Ergebnis der Informationsveranstaltung angesehen werden, dass das Herausholen des Atommülls, der vor 30 bis 40 Jahren unter den damaligen wissenschaftlichen, technischen und rechtlichen Voraussetzungen zum Verbleib eingebracht wurde, die sicherste Methode für den Umgang mit den dort lagernden Radionukliden ist. Die Frage ist nicht, ob neuer Atommüll in der Asse endgelagert werden soll, sondern ob der vor Jahrzehnten dort verschüttete und eingeschlossene Atommüll wieder ausgegraben und ans Tageslicht befördert werden soll. 
Als Schlussfolgerung der Informationsveranstaltung ergibt sich vielmehr Folgendes: 
1. Es wird keine absolut risikolose Schließung der Schachtanlage Asse II geben. 
2. Es muss möglichst schnell eine praktikable Lösung entwickelt werden, die von der tatsächlichen Situation des Asse-Bergwerks ausgeht und nach dem Stand des heutigen Wissens und der Technik die relativ geringsten Risiken mit sich bringt. Das Lamento über Fehler der Vergangenheit hilft nicht weiter. 
3. Die Klage auf Anwendung des Atomrechts sollte zurückgezogen werden, weil einerseits spätestens durch die Vereinbarung der Ministerien die vollständige Berücksichtigung auch des Atomrechts gewährleistet ist und andererseits ein Rechtsstreit das zwischen den Ministerien verabredete Verfahren verzögern würde. Wer will das verantworten? 

Trotz meiner Kritik an dem Artikel und dem Kommentar vom 23.11.2007 möchte ich (neben Landrat Röhmann und Moderator Hapke vom NDR) auch der Braunschweiger Zeitung für die gut organisierte und moderierte Veranstaltung danken. 

Mit freundlichen Grüßen
Gunda Reichenbach
38302 Wolfenbüttel
g-reichenbach@web.de

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